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01. Tiefrote Rufe
02. Schlachtenflieder
03. Schweißnebel
04. Niemals Gelebt
05. El Chukks Taverne
06. Obsidian Zu Pechstein
07. Wenn Ihr Die Sterne Seht
08. Verderbnis



01. Tiefrote Rufe

Hörst du die Wölfe heulen?
Glaubst du, sie rufen dich?
Draußen im Jagdschloss schlagen klagend alle Hunde an…
Siehst du den Mond erblinden?
Glaubst du, er meidet mich?
In dieser Nacht, in der so vieles noch passieren kann…

Die blütenschwang'ren Nächte liegen hinter uns, nicht allzu weit
Die kargen Gräser darben, da seit Monden nicht der Himmel weint
Die Bäume dürsten dürr und trocken nach dem Regen, der nicht fällt
In meinen Schläfen pocht verflucht der Durst, der mich am Leben hält
Und ehern ruft in roten Chören reinstes Lebenselixier
Nun mich und meine tiefsten Träume Ruh' verheißend hin zu dir

Es wird ein heißer Sommer werden
Und du wirst diesen Sommer sterben


02. Schlachtenflieder

Der Wind am Bach trägt den Geruch vom ersten roten Flieder
Der Abend schmückt verträumt, doch ahnungsvoll sich mit dem edlen Duft
Zerrissen fällt das Sonnenlicht durch Trauben süßen Blätterwerks
Und langsam sinkt die Sonne in die klamme Horizontengruft

Blütenstaub zermalmter Knochen, der in Purpurkelchen ruht
Schwelgt in der Erinnerung an den Geschmack von Menschenblut
Denn diese Wurzeln schöpfen aus vergang'nen Schlachten ihre Kraft
Auf diesen Feldern kosteten sie dereinst heißen Lebenssaft
Blütenblätter taumeln von den Ästen auf die Halme nieder
Und bedächtig nickt im harten Mondeslicht der durst'ge Flieder
Wo der Tau wie Tränen glitzert, wo das Land sich selbst beweint
Und alle Sterne stumm verglühen, bis der Mond alleine scheint

Schon brechen von jenseits die Schatten
Schemen durch Mauern von Dunst
Schon rollt die Geburt eines Donners
Schreiende Winde zerreißend ins Land


03. Schweißnebel

Dumpfes Stampfen fährt durch Knochen in längst taube Gedärme
Kaltes Licht ergießt sich aus mit Angst gefüllten, groben Krügen
In verschmutzten Ecken kriechen die, die nicht mehr taumeln können
Mühe, Qual erdrückt die Schultern und straft jedes Lächeln Lügen

Schwielen zieren Hände, die verrichten, was der Kopf verweigert
Augen hinter Eiterschleiern weinen Tränen, die verdampfen
Hinter Ecken dröhnen die Maschinen, die stetig bedient
Von totgeschlag'ner Weigerung, deren Hände sich stumm verkrampfen

Ein müder Kopf erhebt sich träge zu der hohen, fernen Decke
Denkt vielleicht an Rettung und an einen Gott, der nie gelebt
Staub rieselt in diese Blicke, die noch an ein Ende glauben
Wo er Körpersäfte zieht und klumpig das Gesicht verklebt

Erschöpfung bringt nur neues leid, doch lässt sie nicht die Glieder ruhen
Füße torkeln trunken und doch ohne Rausch, von Pein benommen
Manchmal reißt die Gnade ein Stück Fleisch in seinen letzten Tod
Doch es werden immer wieder neue fleiß'ge Leichen kommen

Und durch die brütend heißen Gänge eisig kalten Lichts
Fließt unheilvoll der Nebel
Der klebt wie Schweiß


04. Niemals Gelebt

Ich pfeife leis' ein Schlaflied hier an deinem jungen Grabstein
Dein Name ward gemeißelt mir vor Monden in mein Herz
Gemeißelt ist er nun in Stein und ich bin ohne Schmerz
Du würdest heut' noch leben, hättest du nur für mich niemals gelebt...

Ich brauche keine Tränen, um dein Blut von mir zu waschen
Ich brauche keine Buße, keinen Trost nach diesem Mord
Und wenn du deinem Grab entsteigst, bin ich schon lange fort
Du würdest heut' noch leben, hättest du nur für mich niemals gelebt…


05. El Chukks Taverne

Zwölf dutzend letzte Humpen träumen trüb vom kalten Herz der See
Ein ganzes Schiff verlor'ner Seelen feilscht um Kähne auf M'ellé
Ein paar geraubte Bräute faseln fade vom verlor'nen Glück
Und wenn sie weiter faseln, bringen wir sie morgen schon zurück

Und was den Rest angeht
Den hat der Sturm verweht
Der treibt auf immerdar als Algenbeet und Muschelfang
Uns ist das scheißegal
Der Rest, der kann uns mal
Wen kümmern Treibholz oder immer gleicher Tang

Zwölftausend Beutetaler betten Leiber auf den Grund der See
Drei Handvoll rost'ge Säbel schmecken Salz im Hafen von M'ellé
Sechs schwarze Papageien plappern paradox von Sinn und Glück
Ein paar der Bräute werfen Treibholz missmutig ins Meer zurück

Und was das Herz angeht
Da kommt ihr viel zu spät
Die kalte See singt süßer heut als alles was ein jeder von euch jemals sang


06. Obsidian Zu Pechstein

Wieder saß ich an der grauen Flut im späten Wintersand
Lauschte wieder den verstummten Stimmen aus den Tiefen
In einem Land, das nichts mehr als das Zerrbild eines Traumes war
Und blickte auf den Tag zurück, da sie mich erstmals riefen

Eure elitären Hirne haben euren Geist verstoßen
Eure schwachen, scharfen Zungen haben euch den Hals zerschnitten
Und als ihr im Zeichen eines Aufbruchs zu den Waffen riefet
Seid ihr nur wie eure Feine sabbernd mit dem Wind geritten

Obsidian zu Pechstein
Ihr habt den Glanz verloren
Ihr habt das Kind ertränkt
Das ihr geboren
Obsidian zu Pechstein
Ihr habt euch selbst verloren
In einem Possenspiel
In großen Worten


07. Wenn Ihr Die Sterne Seht

Wenn tiefe Wolken geh'n in diesen langen, kalten Winternächten
Soll der Schnee, des Winters Seide, Wälder, Wiesen, Hügel zieren
Und wenn ihr die Sterne seht, der Himmel klar auf Seidenwelten
Wird der ärgste Frost euch beißen und zu Eis die Seide frieren
Offen zu den schwarzen Himmeln werden weiße Felder liegen
Weiß und glatt, polierten Knochen gleich, soll'n kahle Bäume stehen
Säulen wie Aquamarin und blasser Morganit erstarren
Strahlend unter bleichem Mondlicht, und ihr werdet Schönheit sehen

Schönheit hat so kalten Atem
Wenn der Wind aus Norden weht
Schönheit weiß nichts über Gnade
Dann, wenn ihr die Sterne seht


08. Verderbnis

Die Pestmaske zieht grinsend voller Hass und Hohn von Haus zu Haus
Die Felder liegen brach, der Totenacker speit die Leichen aus

Der Winterwind liebkost verträumt Gerippe, fahles, gift'ges Fleisch
Was einst war voller Lust und Wärme, kranker Ratten ekl'er Fraß
In kleinen, kalten Kinderzimmern schaukeln morsche Schaukelpferdchen
Einsam und bewegt vom Wind, der weht durch das gebroch'ne Glas

Stinkend zieht ein Totenmond, der Schnitter kratzt an jeder Tür
Die Fäulnis kriecht in alle Stuben, wartet in den klammen Betten
Nachbarn grüßen leeren Blickes, starr, verrenkt im Straßenschlamm
Ein Gottesdiener röchelt ein Gebet, um Hoffnung sich zu retten

Verderbnis …
… zieht jäh durch eure stillen Straßen
Steifgefror'ne kleine Leichen schmücken euren stolzen Graben
Entlegene Gehöfte modern faulend und verlassen
Schnee weht weiß ins Siechhaus auf den Schwingen schwarzer Raben