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01. Die Schlacht
02. Veitstanz
03. Das Messer
04. Herrin des Feuers
05. Kleid aus Rosen
06. Wenn Engel Hassen
07. Krötenliebe
08. Accingite Vos
09. So Rot
10. Drei Engel



01. Die Schlacht

Manchmal muss man, um zu siegen,
alle Wälle überrennen;
alle Mauern muss man schleifen,
alle Türme niederbrennen.

Manchmal muss man, um zu siegen,
alle Gräben überspringen;
alle Tore müssen splittern,
Wächter muss man niederringen.

Schau die Feuer, hör die Trommeln
und ergib dich diese Nacht;
schau die Feuer, hör die Trommeln.

Manchmal muss man, um zu siegen
keusche Unschuldsmiene zeigen;
sich in wahrer Demut üben,
schüchtern sein und ganz bescheiden.

Manchmal muss man, um zu siegen
Freunde morden und verraten;
man muss lügen und betrügen
man muss sähen böse Saaten.

Schau die Feuer, hör die Trommeln
und ergib dich diese Nacht;
schau die Feuer, hör die Trommeln,
ich gewinne diese Schlacht.

Manchmal muss man, um zu siegen,
erst sich selbst im Kampf bezwingen;
seine Schwächen überwinden,
jeden Zweifel niederringen.

Schau die Feuer, hör die Trommeln ...


02. Veitstanz

Ängstlich vor dir Weite suchen,
dich nicht findend dabei fluchen;
springen, tanzen und mich drehen,
nur noch grelle Farben sehen;
immer neu den Drachen schicken,
meine Haut mit Dornen spicken,
um das Haus im Veitstanz springen,
vor dem Feuer mit dir ringen.

Alles dreht sich um mich her,
die Welt versinkt im Farbenmeer -
wenn ich tanze,
mit dir tanze.

Geil auf dich die Zweifel töten,
in dem Schattenkreis erröten,
wenn ich nackt, wie ich geboren,
halb gefunden, halb verloren,
halb gezogen, halb gesunken,
halb verdurstet, halb betrunken
mitternächtlich bei dir liege,
töricht mich um dich betrüge.

Alles dreht sich um mich her,
die Welt versinkt im Farbenmeer -
wenn ich tanze,
mit dir tanze.

In meinem Kopf sind Spiegelscherben,
taumelnd stürzte ich ins Verderben.
Zwischen Tod und ewig leben
muss es etwas drittes geben.

Alles dreht sich um mich her ...


03. Das Messer

Zwischen deine Schulterblätter
passt ein Messer und ein Kuss,
zwischen uns liegt dieser Morgen
wie ein dunkler breiter Fluss.

Aufgespalten mit der Zunge
hab ich gestern deinen Mund,
und du bist bei mir geblieben
viel zu lange, Stund um Stund.

Nur wer feige ist, der tötet
Liebe durch das Wort allein.
Für das Messer braucht es Helden
und ich kann nicht feige sein.

Ich hab schwer mit dir gerungen,
als ich gestern mit dir schlief.
Eingebrannt in meine Schultern
ist dein Zeichen rot und tief.

Und noch schläfst du wie ein Engel,
wie ein Spielzeug liegst du da,
unter den verfluchten Laken
und ich fühl mich sonderbar
(denn ich bin dir schon zu nah).

Nur wer feige ist ...


04. Herrin des Feuers

Dein Scheitel ist von Kupfer,
ein Kastanienbaum, der brennt,
glüht so heiß nicht wie dein Atem.
Feuer heißt dein Element,
und auf deinen weißen Schultern
schmilzt das Kupfer in der Glut.
Aus dem Innersten der Erde
stammt dein Name und dein Blut.

Ich bin so leicht entflammbar,
meine Haut ist aus Papier,
und der Rest von mir ist Zunder,
deine Flamme schlägt nach mir.
Deine Raubtieraugen glühen,
deine Hand verbrennt selbst Stein,
aufgelöst in tausend Funken
werd ich Rauch und Asche sein.

Herrin des Feuers, ich brenne,
das Feuer brennt lichterloh.
Herrin des Feuers, ich verbrenne
durch dich.

Einen Feuersalamander
hälst du dir als Wappentier.
Du bist Läuterung und Reinheit,
stehst für unstillbare Gier.
Aus den Haaren fallen Funken,
Schöneres hab ich nie gesehn.
Aufgelöst in Rauch und Asche
will ich brennend untergehn.

Herrin des Feuers ...


05. Kleid aus Rosen

Ein gutes Mädchen lief einst fort,
verliess der Kindheit schönen Ort;
verliess die Eltern und sogar
den Mann, dem sie versprochen war.
Vor einer Haus da blieb sie stehn,
darinnen war ein Mann zu sehn
der Bilder stach in nackte Haut,
da rief das gute Mädchen laut:

Meister, Meister gib mir Rosen,
Rosen auf mein weisses Kleid,
stech die Blumen in den blossen
unberührten Mädchenleib.

'Diese Rosen kosten Blut',
sprach der Meister sanft und gut,
'enden früh dein junges Leben,
will dir lieber keine geben.'
Doch das Mädchen war vernarrt,
hat auf Knien ausgeharrt
bis er nicht mehr widerstand
und die Nadeln nahm zur Hand.

Meister, Meister gib mir Rosen ...

Und aus seinen tiefen Stichen
wuchsen Blätter, wuchsen Blüten,
wuchsen unbekannte Schmerzen
in dem jungen Mädchenherzen.
Später hat man sie gesehn,
einsam an den Wassern stehn.
Niemals hat man je erfahr´n,
welchen Preis der Meister nahm.

Meister, Meister gib mir Rosen ...


06. Wenn Engel Hassen

Als er aufstand an dem Morgen der sein letzter
war,
schien die Sonne und die Vögel kreischten
laut.
Eine Woge von Verlangen stürzte über
ihn
und klebriger Tau bedeckte die Haut.

Durch den aderblauen Himmel ging ein breiter
Riß,
dunkle Wasser brachen über ihn herein.
Eine unbekannte Macht erhob sich tief in ihm,
und mit einem Mal war ihm alles klar,
dass nichts mehr so wie gestern war.

Wenn Engel hassen

stürzen sie wie Steine aus dem
Himmelszelt;
wenn Engel hassen
fliegen sie als dunkle Vögel in die Welt;
wenn Engel hassen
landen sie als schwarzer Schatten der uns
quält
und nehmen Rache
an den Menschen, die gefallen sind wie sie.

Als er aufbrach ließ er alles hinter
sich zurück,
seine Schritte waren federleicht und frei.
Unterm Mantel trug er einen kalten schwarzen
Stahl,
er lächelte leis und summte dabei.

Seine Hand gab sieben Menschen einen schnellen
Tod,
bis ihn selber eine Kugel niederwarf.
Wer ihn kannte sagte, dass es seltsam war,
denn glücklicher hat man ihn nie gesehn.
Der Glanz eines Engels war auf ihm zu sehn.

Wenn Engel hassen ...


07. Krötenliebe

Als wir an den Waldsee kamen
sahen wir ein Meer von Kröten,
einen Ozean von Fröschen.
Mittagsgrün fiel durch das Laub,
in der Luft war ein Getöse
weil sie von der Liebe sangen;
und sie grabschten nacheinander
und sie sangen wild und laut.

Als ich mich auf dich stürzte
hüpften all die kleinen Kröten
um ihr Leben.

Ein Gewirr aus tausend Leibern,
schwarze Tinte in den Augen.
Ich warf mich in deine Arme,
über Zweifel längst hinweg;
und du bist zurückgewichen,
aber nur zwei kleine Schritte
und die Kleider fiel´n zu Boden
in den klebrig feuchten Dreck.

Als ich mich auf dich stürzte
hüpften all die kleinen Kröten
um ihr Leben.

Als wir im Tümpel lagen,
im fauligen Morast,
brach über uns die Nacht herein.
Dunkle Gestalten krochen
auf unser Lager zu -
und stimmten in das Lied der Liebe ein.

Als ich mich auf dich stürzte ...


08. Accingite Vos

Tradidit in
mortem animam suam
et inter
sceleratos reputatus est.

Accingite vos
sacerdotes, et
plangite
ministri altaris
aspergite vos
cinere.

Übertragung:
Er hat seine Seele dem Tod ausgeliefert
und wurde zu den Ruchlosen gezählt.

Bereitet euch vor
ihr Opferpriester und klagt;
Diener des Altars,
bedeckt euch mit Asche


09. So Rot

Stand sie da
im roten Kleid,
Augen so weit
im roten Kleid -
so stand sie da.

Sah mich an
Wangen so rot
das Feuer loht,
die Wangen rot -
sah sie mich an.

Da hab ich sie berührt,
hab ihre Angst gespürt,
zuviel gelitten und zuviel gewußt.

Ihr roter Mund
hat geglüht,
war aufgeblüht,
hat so geglüht,
ihr roter Mund.

Kam der Tag
im Morgenrot,
ein kleiner Tod
im Morgenrot -
so kam der Tag.

Da hab ich sie berührt,
hab ihre Angst gespürt,
zuviel gelitten und zuviel gewußt.


10. Drei Engel

Es sangen 3 Engel einen lieblichen Gesang.
Sie sangen alles so wohl, alles so wohl,
den lieben Gott wir loben solln.
Wir heben an,
wir rufen Gott,
wir loben ihn,
doch er schweigt still.
Und unsere Pein
wird ewig sein -
wir sind in dieser Welt allein.